Motopark - Umstrittene Strafe kostet Titelchance

F4 Vize-Champion Joel Eriksson

Eine Durchfahrtstrafe im ersten Lauf des Saisonfinals raubt Joël Eriksson die letzte Chance auf den Titel in der deutschen Formel 4-Serie. Teamchef Timo Rumpfkeil kann die Bestrafung nicht nachvollziehen.

Joel Eriksson wird F4 Vize-Meister 2015


Joël Eriksson kannte den Ernst der Lage. Deswegen agierte der Schwede von Anfang an mit besonderem Elan. "Ich machte wirklich Druck, denn ich wusste, dass ich meine Meisterschaftschancen nur mit einem Sieg aufrechterhalten konnte", sagte Eriksson. So schob er sich schon früh auf den zweiten Rang nach vorn – und knöpfte Marvin Dienst, seinem direkten Rivalen um den Titel, auch rasch die Führung ab. "Dann kam es leider zum verhängnisvollen Zweikampf. Ich machte die Tür zu, und er war hinter mir. Ich bekam für dieses Manöver eine Durchfahrtsstrafe, meiner Meinung nach war es aber ein fairer Zweikampf."

Die Durchfahrtstrafe kegelte Eriksson aus den Punkterängen und machte damit jede Hoffnung zunichte, Dienst noch abfangen zu können. "Wir sind angereist, um die Meisterschaft zu gewinnen. Durch die Durchfahrtsstrafe im ersten Wertungslauf wurde uns diese Möglichkeit genommen, und sogar der zweite Platz im Championat war alles andere als sicher", zürnte Teamchef Timo Rumfpkeil. "Wenn man dann noch die zweifelhafte Bestrafung vom Lausitzring berücksichtigt, haben wir die Meisterschaft schlussendlich nicht auf der Rennstrecke verloren. Ich kann die Bestrafungen der Sportkommissare nicht teilen und würde mir mehr Konstanz in den Entscheidungen wünschen, wobei mir die Schwierigkeit dieser Aufgabe sicher bewusst ist. Über 30 Fahrzeuge zu kontrollieren, ist sehr anspruchsvoll – aber für die Fahrer, die um die Meisterschaft fahren, würde ich ein besonderes Augenmerk erwarten."

Mit den Plätzen 8 und 3 – vom 14. Startplatz aus kommend – in den letzten beiden Rennen des Jahres sicherte Eriksson immerhin den zweiten Gesamtrang in der Endabrechnung.

Michael Waldherr erntete den inoffiziellen Trostpreis des größten Pechvogels. Wie schon so oft in dieser Saison, schlitterte der Deutsche ohne eigenes Verschulden knapp an einem an sich verdienten Podestplatz vorbei. "Die Spitzkehre scheint mich an diesem Wochenende nicht zu mögen", knirschte Waldherr. "Im ersten Rennen drehte sich vor mir ein Auto, ich musste nach außen ausweichen. Dadurch verlor ich zahlreiche Positionen, kämpfte mich aber immerhin noch auf Rang 8 nach vorne. Damit startete ich das dritten Rennen von Position 3. Im zweiten Lauf wurde mir erneut die Spitzkehre zum Verhängnis. Ich konnte zunächst eine Kollision vermeiden, in der nächsten Runde wurde ich allerdings herumgedreht und mein Rennen war beendet."

Im dritten Lauf hielt Waldherr in der Tat lange die zweite Position – wurde dann aber drei Runden vor Schluß eingangs des Motodroms von einem Konkurrenten umgedreht und fiel durch die Fahrt durchs Kiesbett auf die 17. Stelle zurück. In der Endabrechnung belegt Waldherr den 11. Rang.

Der Wagen von Jannes Fittje fiel am Donnerstag einem Feuer zum Opfer, das von einem Kabelbrand verursacht wurde. Das Team baute über Nacht auf einem neuen Monocoque ein ganz neues Einsatzfahrzeug auf. Fittje qualifizierte sich damit für den 16. Rang, wurde im ersten Rennen nach einer Durchfahrtstrafe 24., im zweiten Durchgang 16. – und im Finale schied er zwei Runden vor Schluss wegen Defekts aus. Dennoch reichte es zu Rang 4 in der Jahresendtabelle.

Jonathan Cecotto beendete seine Saison als Fünfter in der internen Wertung für die besten Neueinsteiger. Der Venezolaner wurde im ersten Lauf 11. Im zweiten Durchgang konnte er einem Gegner, der sich vor ihm gedreht hatte, nicht mehr ausweichen und schied nach Rammstoß aus. Im dritten Lauf folgte er seinem Teamkollegen Waldherr ins Kiesbett. Als er das umgepflügt hatte, wurde er noch 23.

 

Foto: P1 | Dirk Pommert